Törn rund Nordholland
Unser Start war wie schon so oft Hindeloopen. Unser erstes Ziel auch wie schon so oft Texel. Aber heute wurde es doch etwas schwieriger als normal. Mitten in der Hafeneinfahrt in Hindeloopen stand ein Bagger, der die langsam versandende Einfahrt wieder frei macht und festgemacht an diesem Bagger ein Frachtschiff, das den ganzen Modder wegfährt. Wer die Einfahrt kennt, weiß, dass man sich hier möglichst in der Fahrrinne aufhalten sollte, da es zu beiden Seiten schnell flach wird. Wir haben auf die Kennzeichnung vertraut, die der Bagger an der Steuerbordseite mit 2x grün zeigte. Nachdem wir die Ausfahrt passiert hatten wehte der Wind auch entgegen der Vorhersagen schnell mit 22-25 Knoten von Nordwest. Wir gingen direkt ins 2. Reff und steuerten hart am Wind Den Oever an.
Nach der Schleuse motorten wir bei 6 Beaufort gegen an mit der Tide laufend wie auf einem Wildpferd sitzend nach Oudeschild. Hier hat sich der Spruch „vermeide Strom gegen Wind bei mehr als 5 Beaufort in den Seegatten“ voll bestätigt. Trotzdem kam das Schiff am Stück in Oudeschild an.
Auf Texel gehört bei uns immer mindestens 1 Tag Aufenthalt dazu. Der besteht dann z.B. aus einer Fahrradtour nach Den Burg mit Zwischenstopp Brauerei.
Am nächsten Tag dann der Wind und die Tide waren uns wohlgesonnen segelten wir an Den Helder vorbei nach Ijmoiden. Das war schon ein tolles Gefühl, das erste Mal auf der freien Nordsee und bis Ijmoiden keine Möglichkeit in eine Marina zu fahren. Seehunde hatten wir ja schon im Watt auf einer Sandbank liegen gesehen, jetzt hielten wir Aussicht nach Schweinswalen. Aber den war es wohl auch zu kalt wie uns, die sich auf alles eingestellt hatten, aber nicht, dass es Ende Juni immer noch 13 ° sein würde.
Seaport Ijmoiden war der erste richtige Seehafen, den wir ansteuerten. An dem Tag war Regatta vor der Küste gewesen und abends wurde kräftig mit Lifemusik und Pokalvergabe gefeiert. So stelle ich mir die Häfen in England und er Normandie- und Bretagneküstevor.
Unser Plan war es am nächsten Tag nach Harlem zu motoren. So machten wir uns einen Zeitplan für diesen Tag in Abhängigkeit von den Öffnungszeiten der Brücken vor Harlem.
Man konnte relativ früh sehen, dass dieser Zeitplan nicht einzuhalten war. Die Sportschleuse in Ijmoiden war so stark frequentiert, dass wir mit Glück noch in die 2. Schleusung erleben durften. Die Schleusenvorgänge dauerten aber gefühlt jeweils eine Ewigkeit. Als wir den Nordseekanal endlich erreicht hatten fuhren wir unter Vollgas in Richtung Harlem. Die erste Brücke aus dem Kanal hinaus öffnet ständig. Die 2. aber nur
3 x am Tag. So erlebten wir, dass die Brücke ca. 50 m vor unserem Bug schloss und direkt doppelt rot zeigte. Laut Almanach machte die Brücke erst 6 Stunden später wieder auf.
Unser Entschluss war bitter aber kam sofort. So schön kann Harlem gar nicht sein, dass wir 6 Stunden vor einer Brücke warten. So fuhren wir weiter nach Amsterdam in den Sixhaven. Die zwei Male davor waren wir in der Amsterdam Marina gewesen, die uns sehr gefallen hat und entgegen der Warnung von anderen Seglern vor dem Lärm der Werft wir davon nichts mitbekommen haben. Der Sixhaven ist modernisiert worden. Neue Sanitärgebäude und teilweise neue Stege. Sehr schön, aber die elektrische Versorgung ist nur mit 6 Ampere abgesichert. D.h. fast jede 220 Volt Zusatzabnahme z.B. Kaffeemaschine , Wasserkocher usw. blockiert die Stromversorgung. So war an diesem Tag die Hauptbeschäftigung des Hafenmeisters die Sicherungen wieder rein zu drehen.
Nach einem Tag Aufenthalt in Amsterdam ging es dann weiter nach Norden. Eigentlich war das Ziel Enkhuizen. Aber auch heute stimmte die Windvorhersage so gar nicht. Es begann mit fast nichts und steigerte sich dann fast schneller als wir reffen konnten auf 7 Beaufort. Das ganze natürlich direkt gegen an. Als uns dann kurz vor Volendam beim 2. Reffen auch noch die Fockschot trotz Achtknotens durch rauschte, holten wir alle Segel runter und blieben in Volendam.
Am nächsten Tag wieder das gleiche Spiel. Auf der Strecke Volendam bis Enkhuizen fast nichts. Kurz vor der Schleuse brauste der Wind auf. Wir hatten uns auf ein problemloses Schleusen eingestellt, weil hier anders als in Ijmoiden fast kein Schiff vor uns zur Schleuse fuhr. Dann aber nach der Kurve sahen wir womit wir nicht gerechnet hatten. Die Schiffe hatten in Dreierreihen festgemacht und andere pendelten davor hin und zurück. Die Schleuse hatte einen Stromausfall. Es dauerte ca. 1 Stunde bis wieder alles funktionierte und wir kamen auch wieder bei der 2. Schleusung mit. Diesmal konnten wir aber nicht an einer Schleusenwand festmachen, sondern mussten uns in der Mitte durch hangeln und an einem deutlich kleineren als dem unseren festmachen. Trotzdem, es klappte alles prima. Nachdem wir den Kanal in Enkhuizen verlassen hatten, wurden die Segel gesetzt und der Kurs zeigt bei 4 Beaufort mit Halbwind Richtung Hindeloopen. Traumsegeln. Der Wind entwickelte sich auf der Strecke immer mehr in Richtung 7 Beaufort und kam immer vorlicher, so dass zum Schluss wieder das 2. Reff hart am Wind stand.
Es waren segeltechnisch sportliche Tage rund Nordholland in denen wir 138 Seemeilen zurücklegten, mindestens die Hälfte der Zeit im 2. Reff gegen an waren, die aber trotz der Kälte viel Spaß gemacht haben und in denen wir wieder vieles dazu gelernt haben.
Bis zum nächsten Törn









